Marktbericht Renten

Dezember 2017

Der Bericht des Fondsmanagers für 2017 über das Segment der Green Bonds:

 2017 war ein weiteres Erfolgsjahr für Green Bonds. Das noch junge Marktsegment wuchs um wiederum mehr als die Hälfte und zog zudem bemerkenswerte Gruppen von neuen Anleihe-Emittenten an. Ein Ausrufezeichen setzte die Republik Frankreich: Ihr Premieren-Green-Bond war mit einem Volumen von sieben Milliarden Euro der bislang größte je ausgegebene Green Bond. Dies war nicht die einzige Bereicherung: Hatten wir bislang im Euro-Raum vor allem Anleihen gesehen, die Vorhaben von erneuerbaren Energien finanzierten, wagte sich nun eine Reihe von Unternehmen auf die Bühne, die für nachhaltigen Transport stehen, wie die französischen und italienischen Eisenbahnen. Prominenter vertreten ist nun auch der Immobilienbereich. Dort wird zunehmend Wert auf energetische Optimierung und Bauen im Einklang mit Umweltansprüchen gelegt.

Vorangekommen ist der Markt auch bei der Qualität der Projektdokumentation (dem sogenannten „Green Bond Framework“): Die Emittenten lernen dazu und zeigen sich immer mehr bereit, detailliert und transparent über die zu finanzierenden Projekte und den Einsatz der aufgebrachten Finanzmittel zu berichten. Allerdings ist auch festzuhalten, dass die Schere auseinander geht: Es finden sich vorbildliche und sehr ehrliche „Green Bond Frameworks“, aber selbst bei Unternehmen mit Nachhaltigkeits-Anspruch muss auch mit Phrasendrescherei und vernebelnden Äußerungen gerechnet werden. Wir untersuchen jeden Green Bond sehr genau, dessen Erwerb wir erwägen, und sehen angesichts der Qualitätsunterschiede auch die große Notwendigkeit für dieses intensive Research. Letztlich kaufen wir nur solche Bonds, deren Nachhaltigkeits-Wirkung und Solidität uns überzeugen. Im Jahresvergleich können wir eindeutig festhalten, dass die Nachhaltigkeits-Wirkung unseres Green-Bond-Portfolios nochmals deutlich intensiviert werden konnte.

Erfreulich also: Jenes Segment im Wertpapierbereich, das mit Abstand die transparenteste und wirkungsorientierteste Anlagemöglichkeit bedeutet, entwickelt sich prächtig!

Der Jahresbericht aus Sicht des Kapitalanlegers:

Bedauerlich blieb aber auch in 2017, dass Qualitäts-Anleihen generell, und damit auch mit Green Bonds, keine erfreuliche Renditeaussicht bieten. Die von der Bundebank berechnete Umlaufrendite deutscher Bundesanleihen bewegte sich 2017 nur knapp über der Nulllinie, teilweise auch darunter. Auch bei Unternehmensanleihen, die normalerweise gegenüber Staatsanleihen einen deutlichen Renditezuschlag bieten, sieht es nicht viel besser aus: Wir konnten im Jahr 2017 keinen Green Bond eines größeren Unternehmens erwerben, der einen Kupon über 1,00 % geboten hätte. Mehr bieten nur Anleihen wirklich kleiner Unternehmen, die aber nicht mehr sein können als eine abrundende Zutat beim Komponieren des Fondsportfolios.

Das geradezu absurd niedrige Zinsniveau bringt aber noch ein weiteres Problem mit sich als die schlichte Tatsache, dass kaum Zinserträge zu erzielen sind. Die Kurse von Anleihen hängen nämlich umgekehrt vom allgemeinen Zinsniveau ab, was bedeutet: Wenn die Zinsen vom jetzigen Tiefpunkt aus wieder steigen, sinken die Kurse von Anleihen. Beim „Green Bond Impact Fund“ haben wir von Anfang an diese Gefahr gesehen und Vorkehrungen getroffen, um solche Verluste vermeiden oder reduzieren zu können. Das funktioniert so: Neben dem eigentliche Portfolio, mit dem in die ausgewählten Green Bonds investiert wird, können Absicherungs-Positionen in geeigneten börsengehandelten Finanzmarktinstrumenten eingegangen werden. Im Idealfall verhalten sich die Preise dieser Positionen genau umgekehrt zu jenen der Green Bonds, d.h., mögliche Verluste im Portfolio werden durch Gewinne der Absicherungs-Positionen wieder ausgeglichen.

Diese Absicherungs-Positionen werden nur aufgebaut, wenn das Fondsmanagement schwarze Wolken am Anleihen-Himmel aufziehen sieht. Dies war klar der Fall, als der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, Ende Juni ankündigte, das Ende der ultralockeren Geldpolitik und der rekordtiefen Zinsen einzuleiten. Doch nach dem Motto „ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“ wurde diese Ankündigung per Salamitaktik wieder von der Agenda genommen – aktuell ist ein Politikschwenk der EZB nicht mehr konkret zu erkennen.

Doch der Schaden war leider bereits angerichtet: Die Absicherung hat uns in entscheidenden Marktphasen vor allem des zweiten Halbjahres Performance gekostet. Zu der insgesamt enttäuschenden Wertentwicklung hat auch beigetragen, dass die Aktivitäten der EZB an den Finanzmärkten die Muster und Strukturen zwischen den Teilmärkten vorübergehend aufgebrochen haben – teilweise passten die Absicherungs-Positionen nicht mehr recht zu den entsprechenden Teilen des Green-Bonds-Portfolios.

Wir sind aber davon überzeugt, dass diese ärgerliche Phase zu ihrem Ende kommt. Jede langfristig ausgelegte Strategie erlebt Monate, in denen sie nicht so gut funktioniert, und bedarf daher geduldiger Anleger. Wir halten es aufgrund der oben beschriebenen Lage bei den Zinsen dennoch für unabdingbar, eine bewährte und aktive Absicherungsstrategie einzusetzen.

Für 2018 erwarten wir eine steigende Inflation, aber auch ein Abflauen der konjunkturellen Dynamik. Dies wird zu einem Hin und Her bei den Zinsen und damit bei den Anleihekursen führen. Mit unserer Strategie wollen wir nicht nur die damit verbundenen Risiken einhegen, sondern auch die auf der anderen Medaillenseite zu findenden Chancen nutzen. Für das Jahresende gehen wir von einem etwas erhöhten Zinsniveau aus.

Daneben spricht alles dafür, dass der Markt für Green Bonds weiterhin stark wachsen wird und wir als Green-Bond-Investoren damit aus einem immer reichhaltigeren Angebot werden auswählen werden können. Das mit seiner Transparenz überzeugende Segment der Green Bonds bleibt erste Wahl; nicht zuletzt auch, weil Anleihen in jedes seriös aufgebaute, gut gemischte Anleger-Depot gehören.

 

Ihr Stefan Klotz