Jahresrückblick 2022

Eine von Angebotsknappheiten dominierte Welt, Zentralbanken, die sich deren inflatorischen Effekten entgegenzustemmen versuchen, und Aktienmärkte, welche zwischen der Hoffnung auf Bodenbildung und der Angst vor einer tiefen Rezession hin- und hergerissen wurden.

Das ausklingende Jahr 2022 wird mit den Folgen der Stagflation jedenfalls als besonders Schlechtes in Erinnerung bleiben. 

Und das war noch nicht alles: hinzu kamen Sondereffekte, die das Management unseres nachhaltig anlegenden Aktienfonds weiter erschwerten:

Bedingt durch die Folgen des russischen Überfalls auf die Ukraine und der politischen Reaktionen stiegen die Werte der Unternehmen mit Geschäftsmodellen, die auf fossilen Brennstoffen basierten erheblich, genau wie Rüstungsaktien. Dies konnte die klassischen Aktienindizes etwas stützen, nicht aber unser Portfolio, welches in ihren Anlagebedingungen genau solche Unternehmen ausschließen.

Unangenehm zeigte sich das Ergebnis dieser Sondersituation, weil in diesem Szenario die Absicherungsmaßnahmen innerhalb unserer Fonds weniger effektiv arbeiten konnten. „Weniger effektiv“ bedeutet im Ergebnis, dass wir die Schwankungen in der Wertentwicklung in 2022 durch Absicherungsmaßnahmen reduzieren, aber den Kursverfall nicht aufhalten konnten.

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Wir investieren seit 2017 auf Basis der ethisch nachhaltigen Anlagerichtlinien. 2022 war jetzt das erste Jahr, in dem sich ethisch – nachhaltige Geldanlagen schlechter entwickelten als der Gesamt-Markt.
Diesen Effekt sehen wir als einmalig an. Für 2023 hat sich Aufholpotential entwickelt, wenn die Fördermaßnahmen in regenerative Energien Gestalt annehmen und der „fossile Sondereffekt“ aus 2022 langsam wieder abgebaut wird. Doch dazu im Ausblick mehr.

Ein Jahr also, dass somit auf allen Ebenen – geopolitisch und markttechnisch und strukturell – als ein Horrorjahr in Erinnerung bleiben wird.

Dieser Rückblick ist aufgrund der jetzt bekannten Entwicklungen negativ. Dabei gab es im Verlauf des Jahres 2022 immer wieder Lichtblicke, Hoffnungen und auch durchaus steigende Kurse.

Wenn wir die monatlichen Börseninformationen Revue passieren lassen, schwankte der Markt weltweit zwischen Panik und Hoffnung. Die Inflation, bzw. deren Bekämpfung durch die Notenbanken, stand über allem. Positive Wirtschaftsmeldungen wurden aus Angst vor dann möglicherweise folgenden Leitzinserhöhungen negativ aufgenommen und umgekehrt. Psychologie beherrschte die Marktentwicklung, Fakten spielten nur eine untergeordnete Rolle.

Obwohl die amerikanische Notenbank FED deutlich ankündigte, bewusst negative Auswirkungen auf die Wirtschaft in Form von Arbeitslosigkeit und sinkenden Unternehmensgewinnen in Kauf zu nehmen, gab es allein aufgrund der Vermutung, sie würden es vielleicht doch nicht tun, Monate mit steigenden Kursen. Wenn dann die Meldungen kamen, dass die Leitzinsen doch steigen werden, wurden die Gewinne wieder einkassiert. An der Börse wird dies „Bärenmarktrally“ genannt.
So auch im vierten Quartal, welches uns nach den tiefroten Zahlen bis Herbst dann wieder positive Ergebnisse bescherte. Wieder aufgrund der Erwartung, dass die Notenbanken die Zinsen doch nicht so aggressiv erhöhen werden.
Doch auch hier vermuten wir nur eine „Bärenmarktrally“. Denn die Auswirkungen der aggressiven Notenbankpolitik zeigen sich mit Verzögerung. Wenn dann sinkende Gewinnerwartungen gemeldet werden, wird es wieder unangenehm.

Für eine Entwarnung ist es aus unserer Sicht einfach noch zu früh.  

Andreas Enke