An den Börsen ist derzeit nichts normal!

Hamburg, im Mai 2020. Auf den schnellsten Kurssturz der Geschichte im März 2020 mit Verlusten von 30% in wenigen Wochen folgte die schnellste Erholung der Geschichte mit +25% in einem genauso kurzen Zeitraum.

Zeit für einen Zwischenstopp: Wo stehen wir aktuell?

Wir haben im April eine spektakuläre Aufwärtsbewegung gesehen, die jetzt aktuell gerade den Schwung verloren hat. Jetzt stellt sich die Frage, ob sich die Kurse weiter erholen können oder ob der April nur ein Zwischenhoch in einem ansonsten intakten Bärenmarkt war.

Was will ich damit sagen? In früheren Börsenkrisen hat es oft starke Erholungsphasen gegeben, bevor es dann zu einem noch tieferen Absturz kam. Andererseits kann jede Erholungsphase der Beginn eines lang anhaltenden Aufschwungs sein.

Wenn wir zurückblicken, war die Ursache für den Kursverfall im März die beispiellose wirtschaftliche Verlangsamung, die bewusst von den Regierungen weltweit in Kauf genommen wurde, um das Virus einzudämmen. Gleichzeitig wurden die Lehren aus den vergangenen Krisen berücksichtigt und sofort gigantische geld- und fiskalpolitische Konjunkturmaßnahmen in Gang gesetzt.

Da die Börsen Erwartungen widerspiegeln, reagierten die Kurse entsprechend. Die Ängste, die der weltweite wirtschaftliche Stillstand geweckt hat, dominierten im März und wurden anschließend teilweise egalisiert durch die Hoffnung, dass die Maßnahmen wirken werden.  So ist diese aktuelle spektakuläre Rallye eigentlich normal, wenn auch in der Heftigkeit der Bewegung überraschend. Diese bedeutet jedoch noch lange nicht, dass sich jetzt ein langanhaltender Aufwärtstrend etabliert.

Jetzt dreht sich alles um die Frage, wie lange die wirtschaftliche Verlangsamung andauern wird und wie eine Erholung aussehen kann. Optimisten setzen derzeit darauf, dass nach sehr schlechten Nachrichten im zweiten Quartal in der zweiten Jahreshälfte ein starkes Wirtschaftswachstum folgt. Ein zweites Argument hört man derzeit immer häufiger: die geldpolitischen Maßnahmen der Notenbanken werden die Aktienmärkte so stark stützen, dass steigende Kurse automatisch die Folge sein werden.

Wir sehen dies noch mit einiger Skepsis: es trifft sicherlich zu, dass in einigen Branchen die Einnahmeverluste wieder hereingeholt werden können; bei vielen anderen jedoch nicht. Dazu sollten die Schäden an den Lieferketten nicht unterschätzt werden. Und: Volkswirtschaften, die sich weitgehend auf den privaten Konsum stützen, werden die Auswirkungen eines strukturellen Anstiegs der Arbeitslosenquote sicherlich erst noch spüren. Wenn die Sorge um die Zukunft ansteigt, wird das die Kurse sicherlich eher drücken.

Fazit: wir sind dann gerne investiert, wenn wir in nächster Zeit mit steigenden Unternehmensgewinnen rechnen. Damit rechnen wir derzeit definitiv nicht. Also bleiben wir abgesichert. Alles andere sehen wir als reine Spekulation entgegen der Datenlage.

Aber wie lange wollen oder müssen wir diesen „Lock-Down“ im Aktienfonds noch durchhalten?

Wenn denn in den kommenden Wochen die Unternehmen ihre (wahrscheinlich sehr negativen) Gewinnerwartungen veröffentlichen und die Börsen dann entsprechend reagiert haben, wird es sicher wieder Chancen geben, auch mit Aktien Geld zu verdienen. Denn dann stehen wir vor einer Situation, bei der es auch mit großer Wahrscheinlichkeit wieder aufwärts mit den Erwartungen zukünftiger Unternehmensgewinne und dann auch den Kursen gehen kann. Einfach deshalb, weil die aktuellen Gewinne stark eingebrochen sind und (bei gesunden Unternehmen) mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder steigen werden.

Diese Vision der langfristigen Erholung wird definitiv nicht für alle Unternehmen gelten: viele Geschäftsmodelle werden die Krise nicht überleben, aber andere werden entstehen oder gestärkt hervorgehen.

In unserm Portfolio der nachhaltigen Aktien sehen wir uns mit unseren zukunftsorientierten Unternehmen dabei sehr gut aufgestellt: wir erwarten, dass viele Unternehmen gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Ihr Andreas Enke

Ein Kommentar

  1. Hallo Herr Enke,

    Ich glaube auch, dass Zurückhaltung angesagt ist! Ein glückliches Händchen! Ihr A.Brockmann

    Von meinem iPhone gesendet

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