Ausblick für 2020

„Die Welt ist im Wandel!“ Das Zitat aus dem Buch „Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien passt aktuell auch gut auf die Kapitalmärkte. Denn es wird sich vieles ändern: Die alten Prinzipien der Geldanlage gelten nicht mehr. Ein Ausblick.

Ich möchte Sie daher jetzt einladen, mit mir einen kleinen Ausflug in die für die Geldanlage so wichtigen Themen wie Wirtschaftswachstum, (Staats-)Verschuldung und Geldpolitik zu machen.

Falls Sie jetzt noch weiterlesen, werde ich werde aufzeigen, dass wir die Bedeutung des Begriffes „konservative Geldanlage“ neu definieren müssen und begründen, warum an der Aktie kein Weg mehr vorbeiführt. Wurde früher unter „Geldanlage“ meist „Sparen“ verstanden, mit regelmäßigen Erträgen und garantierter Rückzahlung, so ist es heute eher eine „Investition„.  Mit Chancen und Risiken.

Warum ist das so?

Schauen wir zuerst von ganz weit oben auf unsere Welt, wie sie sich seit dem Jahr 2000 entwickelt hat:

Das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte wurde durch zwei strukturelle Faktoren maßgeblich beeinflusst: eine über lange Zeiträume hinweg positive demografische Entwicklung sowohl in den Industriestaaten als auch den Schwellenländern sowie durch eine zunehmend globalisierte Welt.

Das demografische Umfeld ist bereits dabei, sich substanziell zu verändern. Diese Veränderungen wirken zwar langsam, dafür aber nachhaltig. Der Anstieg der Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter wird sich im kommenden Jahrzehnt deutlich verlangsamen und in einigen Regionen sogar in eine Schrumpfung übergehen. Dieser Effekt wird zu einem niedrigeren organischen Wachstum als in den zurückliegenden Jahren führen.
Hinzu kommt, dass sich die Globalisierung nach der Finanzkrise im Jahr 2007 / 2008 verändert hat: die Vorstellungen über die Rahmenbedingungen einer globalisierten Welt unterscheiden sich mittlerweile deutlich; neue Hauptdarsteller mit anderen Zielen als dem des globalen Wachstums sind mit China und (mit Abstrichen) Russland hinzugekommen. Ein neuer Egoismus auf Staatenebene ist eingekehrt.

Das bedeutet, dass sich das Wirtschaftswachstum von der Grundtendenz her deutlich verlangsamen wird.

Dazu kommt: es kommen Zweifel an der Wirksamkeit der Geldpolitik auf.

Gerade in den letzten beiden Jahren hat die Geldpolitik der Zentralbanken die Kapitalmärkte stark beeinflusst: waren die Zentralbanken 2018 noch der wesentliche Grund für die schwachen Aktien- und Rentenmärkte, so trugen sie 2019 durch Ihre Anfang des Jahres eingeleitete Zinswende genauso wesentlich zur Kurserholung und anschließender Rally an den Märkten bei. Mittlerweile kommen unter Ökonomen allerdings Zweifel auf, ob weitere Zinssenkungen überhaupt noch eine Wirkung entfalten können. Der Trend zu immer niedrigeren Leitzinsen dürfte an Fahrt verlieren, je stärker in den negativen Bereich vorgedrungen wird.

In Europa gibt es mittlerweile keine Entlohnung mehr für sichere Anleihen. In den USA ist es nur leicht besser. Diese Entwicklung wurde in den bestehenden Depots durch den Kursanstieg überlagert: Anleger sahen in Ihren Beständen in 2019 positive Kursentwicklungen. Aber der kalkulierbare Ertrag, der Zinskupon, ist quasi nicht mehr vorhanden.

Damit wird die Anleihe in neuen Jahr deutlich spekulativer: Anleger, die jetzt in negativ rentierliche Anleihen gehen, können nur mit positiver Performance rechnen, wenn die Zinsen weiter fallen sollten. Das aber erwarten wir nicht unbedingt.

Die konservativen Geldanlagen in Form von Anleihen mit spürbaren Zinsen und gesicherter Rückzahlung gibt es nicht mehr. 

Aktien sind unverzichtbar in einem schwierigeren Umfeld

Das Wachstum der Weltwirtschaft hat sich deutlich verlangsamt und zu einem lediglich leichten Anstieg in den Unternehmensgewinnen geführt. Dafür hat in den letzten Jahren die Geldpolitik zunehmend als Impulsgeber fungiert. Parallel sieht es so aus, dass der Wandel hin zu nachhaltigerem Wachstum in den 2020er Jahren zunehmend an Fahrt aufnehmen wird. Dieser Wandel wird die Wirtschaft verändern: neue Geschäftsmodelle entstehen, manche werden verschwinden. Dies wird in der Summe mit erhöhten Investitionen einhergehen, zuerst wahrscheinlich die Profitabilität der Unternehmen belasten, aber die Basis für steigende Gewinne in der Zukunft legen. Und diese Gewinnerwartungen werden an der Börse gehandelt. Wichtig wird sein, in den Unternehmen investiert zu sein, die von dem Wandel der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit profitieren.
Da sind wir bekanntlich gut aufgestellt.

Aktien haben so immer noch ganz entscheidende Vorteile gegenüber anderen Anlageklassen:

  • Aktien diskontieren zukünftig zu erwartende Erträge bereits heute mit einer sehr hohen Risikoprämie. Der Startpunkt in das neue Anlagejahrzehnt ist für Aktien also wesentlich besser als bei anderen Anlageklassen. Oder anders ausgedrückt: Relativ zu anderen Anlageklassen sind Aktien günstig bewertet.
  • Selbst bei lediglich stagnierendem Wachstum fließt dem Anleger, bei Beibehaltung der aktuellen Ausschüttungsquoten, ein regelmäßiger ordentlicher Ertrag in Form der Dividende zu.
  • Aktien partizipieren langfristig an der fundamentalen Entwicklung der Realwirtschaft und diese ist, selbst bei dem für die 2020er Jahre erwartetem reduzierten Wachstumstempo, positiv.

Fazit:

  • Der Rentenmarkt wird zukünftig deutlichen Veränderungen unterworfen sein: die Zinserträge werden zunehmend niedriger ausfallen und gleichzeitig nicht mehr durch Kursgewinne übertüncht werden. Das bedeutet, dass sichere Anlagen – wie Staatsanleihen – geringe, aber reale Verluste produzieren werden. Es sei denn, die Zinsen sinken weiter.
  • Das Umfeld für Geldanlagen, die von der Entwicklung der Realwirtschaft partizipieren, verändert sich, ist grundsätzlich aber intakt.
    Das bedeutet, dass Aktien das zentrale Element eines Wertpapierportfolios bleiben.
    Unternehmensanleihen verbleiben im Rentenbereich als Ergänzung, wobei auf die Bonität mehr denn je zu achten ist, um Überraschungen von unerwarteter Seite zu vermeiden.

Ihr Andreas Enke